Die Wasserwirtschaft
Dieser Bereich der Website möchte Fragen beantworten, wie beispielsweise:
In welchem Zustand befinden sich die Deltawassersysteme im Augenblick, was geht gut, was geht weniger gut?
Was hat sich verändert? Diese Frage bezieht sich auf die Funktionen des Deltagebietes, wie Fischerei, Freizeit...
Wie denken wir, in Zukunft mit dem Deltagebiet umzugehen?
Gerade über diese Fragen wird noch nachgedacht. Die Provinzen Zeeland, Nordbrabant und Südholland sind beispielsweise damit beschäftigt, eine integrale Zukunftsvision für das gesamte Deltagebiet aufzustellen. Dies tun sie (innerhalb des Projektes Delta InZicht, bei dem Namen handelt es sich um ein niederländisches Wortspiel, das zugleich Delta Einsicht und Delta in Sicht bedeutet) in Rücksprache mit anderen Beteiligten und Interessenten.
Rijkswaterstaat ordnet und bündelt die Informationen über den Zustand der Gewässer im Delta.
Nach Abschluss dieser Projekte werden auf oben stehende Fragen 'Antworten anno 2003' gegeben werden können. Anno 2003, denn die Antworten auf diese Art von Fragen verändern sich im Laufe der Zeit aufgrund der sich wandelnden Umstände und Einblicke.
Veränderte Wassersysteme
Die Deltawerke führen zu einer Reihe unvermuteter Nebeneffekte auf dem Gebiet der Umwelt und Natur. Die Schließung der Meeresarme bot nicht nur Sicherheit, sondern führte auch zu nie gekannten Veränderungen in den Wassersystemen des Deltagebietes.
Die Gezeiten, deren Einfluss in der Vergangenheit bis weit ins Landesinnere hinein spürbar war, verschwanden. Der gleichmäßige Übergang von Süß- zu Salzwasser war weg, zusammen mit der zugehörigen Flora und Fauna. Wasserrinnen und Prielen verschlickten. Schlickboden und Groden wurden für immer vom Wasser bedeckt und Ufer bröckelten - aufgrund des jetzt immer auf gleicher Höhe strömenden Wassers - ab. Das Wegfallen eines freien Durchgangs zum Meer führte außerdem zu einer starken Zunahme des Bodenansatzes des häufig verunreinigten Flussschlammes.
Dies alles kann nie mehr vollständig rückgängig gemacht werden. Das Süßwasser des Brieler Sees wird nie mehr salzig. Eine Rückkehr zur ursprünglichen Situation wird auch nicht angestrebt. Man versucht jedoch, die Effekte der menschlichen Eingriffe zu beschränken, Naturwerte zu erhalten und nach Möglichkeit wiederherzustellen und zu entwickeln. Manche Gebiete bieten sogar ausgezeichnete Möglichkeiten dazu. Besonders im Haringvliet, Hollandsch Diep und Biesbosch können die Wassersysteme zu einem erheblichen Teil wiederhergestellt werden.
Neue Wasserwirtschaft
In der Zeit direkt nach der Flutkatastrophe stand der Umgang mit dem Wasser noch ausschließlich im Zeichen der Verteidigung gegen das Meer. Gegenwärtig erfordert die Küstensicherung einen breiten Ansatz, der das gesamte Deltagebiet und alle seine Bewohner einbezieht: vom Menschen, der gerne trockene Füße behalten möchten bis einschließlich des kleinsten Seesterns, der sich an der Böschung des Oosterscheldedeichs festklammert.
Ende der 80er Jahre stellte sich die Regierung aktiv darauf ein und so entstanden die Konturen einer neuen Wasserwirtschaft. Darin wurden alle Belange des gesamten Deltagebietes einbezogen: die Wasserqualität, die Umwelt, die Naturentwicklung, die Fischerei und der Freizeitsektor, aber auch die Süßwasserversorgung, die Landwirtschaft, die Schifffahrt und die Industrie. Bei dieser so genannten 'integralen Wasserwirtschaft' werden sämtliche Aspekte gegeneinander abgewogen. Aber in allen Fällen muss die Sicherheit im Fall von Überschwemmungen garantiert sein.
Inzwischen wird dieser neue Ansatz in der Wasserwirtschaft erfolgreich von der Behörde Rijkswaterstaat umgesetzt. Dort leisten - außer Ingenieuren - auch Ökologen und Morphologen ihren Beitrag dazu. Schnurgerade Ufersicherungen sind umweltfreundlichen Ufern gewichen. Dünensand darf an bestimmten Stellen wieder unbekümmert durch die Luft fliegen, weil das Unterlassen von Maßnahmen oft zu schönen Fleckchen Natur führt. Aufgeworfene Brutinseln ziehen andere Vogelarten an. Der Fischreichtum nimmt durch die Schaffung von speziellen Laichgebieten für Fische zu.
Naturentwicklung: reifliche Überlegungen
Der neue Ansatz hat seit 1985 zu einer großen Zahl von Naturentwicklungsprojekten im Delta geführt. Diese Projekte variierten von umweltfreundlichen Ufersicherungen - empfindliche, abbröckelnde Ufer mit Dämmen schützen - bis zum Aufwerfen von Dünen und Sandplatten für Vögel. In diesem Rahmen haben sich die Dünengebiete zu schönen niederländischen Küstenabschnitten entfaltet, wo Sanddorn und Pfaffenkäppchen blühen. Auf der ehemaligen Arbeitsinsel Neeltje Jans, auf der in der Vergangenheit Betonzentralen und Baudocks standen, wurden Vogelinseln, Förden und Dünengebiete angelegt.
Die moderne Wasserwirtschaft erfordert eine fortlaufende Einschätzung der Situation, reifliche Überlegungen hinsichtlich dessen, wo saniert werden soll und wo nicht, wo neue Natur entwickelt werden soll und wo man sich auf die entsprechende Lenkung beschränken sollte und letzten Ende, wo man der Natur ganz einfach ihren Lauf lassen sollte.
Delta InZicht
Im Deltagebiet vollziehen sich Entwicklungen, die die politischen Entscheidungsträger nicht ignorieren können: der Meeresspiegelanstieg, die erhöhten Gebietsabflüsse und die Metropolenbildung in dessen Umkreis.
Die Frage ist, ob diese augenscheinlich bedrohlichen Entwicklungen nicht doch auch Chancen bieten können. Chancen zur Beseitigung der ökologischen Schattenseiten der Deltawerke, Chancen für den Freizeitsektor, für die Fischerei, für die Schifffahrt ohne dass dies auf Kosten der anderen Funktionen dieses Gebietes geht.
Integrale Vision
Deshalb sind die Provinzen Südholland, Nordbrabant und Zeeland im Dialog mit zahlreichen Instanzen damit beschäftigt, eine integrale Vision für die Zukunft der Deltagewässer zu formulieren. Die Lenkungsgruppe Delta InZicht, in der die drei Provinzen, die Nationalregierung, die Kommunen, die Wasserverbände und verschiedene Interessengruppen vertreten sind, geht dabei folgendermaßen vor. Sie hat damit angefangen, sich die Frage zu stellen, wie die Deltagewässer wunschgemäß in etwa 30 Jahren aussehen würden, wenn man dabei keine Gesetze oder praktische Einwände zu berücksichtigen hätte. In einer Reihe von Treffen wurde über die Frage diskutiert, wie die wichtigsten Unterschiede zwischen dem Zukunftsbild und der heutigen Situation überbrückt werden können.
Zukunftsbild
Das Zukunftsbild wurde am 12. November 2001 von der Lenkungsgruppe festgelegt. Es stützt sich auf vier Säulen: die Nachhaltigkeit, der einzigartige Charakter des Deltagebietes, die europäische Dimension und die Folgen des Klimawandels.
Es wurde gemäß dem Schichtenansatz aufgebaut, der auch in den Regierungsplänen zur Raumordnung eingesetzt wird. Die wichtigsten Veränderungen vollziehen sich im Zukunftsbild in der Schicht des Untergrunds. Der Untergrund des Deltagebietes ist von Natur aus dynamisch, veränderlich. Der Mensch hat dieser Dynamik durch Einpolderungen im zweiten Jahrtausend und durch den Bau von Dämmen in den vergangenen 50 Jahren Einhalt geboten. Im Zukunftsbild wird diese Dynamik teilweise wiederhergestellt, damit die Wassersysteme wieder auf naturgemäße Weise als Ästuarium fungieren können. Die Flüsse sind sauber und fließen wieder durch alle Deltagewässer ins Meer. Die scharfe Trennung zwischen den Deltagewässern wurde im Grunde aufgehoben, ohne dass dies auf Kosten der Sicherheit geht.
Viele Funktionen profitieren von der Wiederherstellung der natürlichen Dynamik (die Fischerei, der Freizeitsektor, die Schifffahrt). Für die Funktionen für die das nicht der Fall ist, wurden im Zukunftsbild Maßnahmen zur Kompensierung der negativen Folgen getroffen.



