Der Deltaplan

Das ist die Geschichte des Deltaplans, eines der revolutionärsten Wasserbauprojekte der Welt. Es ist eine Geschichte voller Herausforderungen, mühsam errungener Lösungen und Erfolge. Sie beginnt 1953, gelangt 1986 zu einem triumphalen Höhepunkt und endet 1997. Die Notwendigkeit, das Land gegenüber dem Wasser zu schützen, wird jedoch für immer bestehen bleiben.

Einer Katastrophe, wie jene von 1953, sollte in Zukunft vorgebeugt werden. Darüber waren sich alle einig. Die speziell gegründete Deltakommission legte noch im selben Jahr einen Plan vor. Abgesehen von den Verstärkungen der Küstensicherungen empfahl die Kommission eine Verkürzung der Küstenlinie um 700 Kilometer. Als Ausgangspunkt galt: je kürzer die Küste ist, desto einfacher ist ihre Verteidigung.

Die Deltakommission schlug vor, die Meeresarme im Deltagebiet vollständig abzuschließen und alle Küstensicherungen auf die so genannte ‘Deltahöhe' zu bringen. Als Ausgangspunkt dafür galt ein Wasserstand von fünf Metern über dem Amsterdamer Pegel bei Hoek van Holland. Das Überschwemmungsrisiko würde sich damit auf 1/4000 pro Jahr für das Deltagebiet und den Norden belaufen und auf 1/10.000 pro Jahr für das westliche Ballungszentrum der Niederlande, die so genannte Randstad.

Nur der Nieuwe Waterweg und die Westerschelde würden im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen von Rotterdam und Antwerpen für die Schifffahrt zugänglich bleiben. Die Deiche müssten hier auf Deltahöhe gebracht werden.

Das Deltagesetz

Das Deltagesetz, das sich aus den Plänen der Kommission ergab, wurde letztendlich 1957 vom Parlament verabschiedet. Abgesehen von der verbesserten Sicherheit sollte der Deltaplan auch andere Vorteile mit sich bringen: eine bessere Wasserwirtschaft in einem großen Teil des Landes, Reduzierung der Versalzung, das Entstehen von Süßwasserbecken für die landwirtschaftliche Wasserversorgung, neue Erholungsgebiete und - über die Dämme - bessere Verkehrsverbindungen im Südwesten der Niederlande.

Deltadienst

Am 1. Mai 1956 wurde der Deltadienst gegründet, der direkt der Hauptverwaltung von Rijkswaterstaat unterstellt war. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich dieser Dienst zu einem der größten und komplexesten Dienste, die jemals innerhalb der Behörde Rijkswaterstaat operiert haben. Ein Dienst, der die allgemeinen Ausgangspunkte des Deltagesetzes in technische Glanzstücke umsetzen sollte. Diese mussten außerdem ständig den sich wandelnden hydrologischen, geologischen, politischen bzw. finanziellen Faktoren angepasst werden können.

Arbeitsplätze

Der größte Teil der Deltawerke im Südwesten der Niederlande wurde vom Deltadienst in Zusammenarbeit mit äußerst zahlreichen Bauunternehmen erstellt. Jahrelang haben Zehntausende von Beschäftigten bei den Deltawerken einen Arbeitsplatz gefunden.

Enormer Auftrag

Für den niederländischen Wasserbausektor war der Deltaplan ein enormer Auftrag. Keine Nation der Welt hatte jemals solche tiefen und breiten Meeresöffnungen geschlossen. Frühere Erfahrungen und vorhandene Techniken reichten für diese umfangreichen Projekte nicht aus.

Im Deltagebiet beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut etwa drei Meter. Das Wasser strömte zweimal täglich in die Meeresarme und wieder zurück und es kam zu starken Strömungen und großen Sandverschiebungen.
Die Zuständigen wurden mit ungünstigen Wetterbedingungen konfrontiert. Dabei riefen Nordseestürme starke Wellenbewegungen in den Mündungen hervor.

Von klein nach groß

Eine Sache war klar: es mussten in Windeseile neue Techniken entwickelt werden. Die Wasserbauexperten entschieden sich zielbewusst dafür, von klein nach groß zu bauen, von einfach nach schwierig. Auf diese Weise bildete die Arbeit selbst gleichzeitig eine Schule: neue technische Möglichkeiten konnten im Laufe der Durchführung des Deltaplans ausprobiert und entwickelt werden.

So kam die Vorfertigung auf und es wurden neue Sondermaschinen entwickelt. Außer den herkömmlichen Caissons erschienen 1961 Durchlasscaissons und zur Schließung der großen Öffnungen wurde die Seilbahn mit Gondeln entwickelt. Die haushohen Betoncaissons wurden verbessert und Kunststoffe hielten Anfang der 70er Jahre beim Bodenschutz und der Deichbedeckung ihren Einzug.

Studien zum Wasserlauf wurden dank Laborforschungen zunehmend verfeinert, der Computer setzte sich allmählich durch und Messtechniken wie auch Wettervorhersagen wurden immer präziser.


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